8. Januar 2021

Junge Firma geht ohne Chemikalien gegen Zahn-Bakterien vor

BZ Plus – Die junge Firma „Freiburger Medizintechnik“ hat die Reinigung von Zahnimplantaten und Wurzelkanälen im Blick. Ihr Ansatz: Desinfektion mit Plasma.
Das Start-up-Unternehmen entwickelt ein Gerät, das Zahnimplantate und Wurzelkanäle gründlich von Bakterien befreit, ohne Chemikalien oder Flüssigkeiten zu benutzen. Stattdessen nutzt die Firma einen Plasmastrahl, der punktgenau und schonend arbeitet.

„Haben Sie schon einmal eine Wurzelbehandlung gehabt?“, fragt Loïc Ledernez, der Physiker im Team. „Da bohrt der Zahnarzt ein Loch in den Zahn zum Wurzelkanal und spült dann mit einer Chemikalie die Bakterien heraus. Das funktioniert mäßig.“ An der Stelle setzt das Freiburger Start-up „Freiburger Medizintechnik“ an. Statt einer Desinfektion mit einer Flüssigkeit nutzt die Firma einen Plasmastrahl. Das ist ein energetisch angereichertes Gas. Wie im Science-Fiction-Film springt ein lila-leuchtender Strahl britzelnd und surrend von dem Gerät an den Zahn – und beseitigt dort die Bakterien, die sonst für Entzündungen und Schmerzen sorgen.

Es gibt immer mehr Implantate

Inzwischen hat sich das Start-up auf die Behandlung von Zahnimplantaten konzentriert. „Es gibt immer mehr Implantate, die Menschen werden immer älter – damit nehmen auch die Komplikationen zu“, erklärt Zahnarzt Markus Altenburger. Es komme zu Entzündungen am Implantat, der Knochen bilde sich zurück, meist bleibe nur, ein kostspieliges neues Implantat einzusetzen. „Ein gutes Werkzeug in dem Bereich gibt es leider bislang nicht.“Daher stieg er gerne mit ein, als Ledernez und der Ingenieur Michael Bergmann auf ihn zukamen. Die beiden hatten sich schon längere Zeit mit Plasma beschäftigt, suchten aber eine wirtschaftliche und praktische Nutzungsmöglichkeit.

Auf dem Rückflug von einer Konferenz entwarfen beide die Grundidee ihrer späteren Firma. Plasma, erzählt Bergmann, ist eine recht junge Technologie. Deutschland sei auf dem Gebiet führend. In der Dermatologie beispielsweise wird die Technologie zur Wundheilung angewendet. Dort müsse das Plasma aber großflächig wirken. Am Zahn muss es äußerst präzise sein.

Die Freiburger Medizintechnik entwickelt all ihre Produkte selbst. In dem Labor am IMTEK stehen verschiedene 3D-Drucker, die die Hüllen der Geräte herstellen. Das Design wurde immer weiter entwickelt. Inzwischen besteht ihr Prototyp aus einem kleinen tragbaren Kasten, in den eine Flasche mit dem verwendeten Gas geschraubt werden kann. Dieses wird dann über einen Schlauch in das Mundstück geleitet, mit dem der Zahnarzt arbeitet. „Insgesamt war es wichtig, dass es auch im Alltag einer Praxis gut integriert werden kann“, sagt Ledernez.

Die Zulassung des Geräts steht an

Vor einigen Tagen hat die Firma die erste Hürde genommen, hin zu einer Zertifizierung als Medizintechnikhersteller. Nun steht die Zulassung des Geräts an. Ziel ist, dass es 2022 soweit ist. Wobei Corona den Prozess verlangsamt. „Der Zulassungsprozess für Medizinprodukte ist sehr aufwändig“, sagt Bergmann. Man müsse nachweisen, dass das Gerät sowohl funktioniert, als auch nicht schädlich ist. „Dieser Prozess macht es gerade für Start-ups sehr schwierig.“ Denn während all der Zeit lässt sich kein Geld verdienen, muss die Finanzierung also anderweitig gesichert sein. Die Freiburger Medizintechnik hat bislang Fördergelder der Universität und des Bundes bekommen. Für den nächsten Schritt ist die Firma derzeit auf der Suche nach Investoren.

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