9. November 2023

Gezielte Krebstherapie mit Enzymen

Die Frankfurter Rundschau präsentiert die Nominierten des Hessischen Gründerpreises 2023 mit Kurzinterviews: Das Start-up Akribion Genomics ist Finalist in der Kategorie „Innovative Geschäftsidee“.

Wer braucht Sie?
Wir möchten Krebspatienten eine effektivere und schonendere Alternative zu klassischen Therapien wie Operationen oder Chemotherapien bieten. Unser erstes Projekt bedient Patienten, die an Viren-bedingtem sogenannten HPV-positiven Kopf- und Halskrebs leiden. Diese Patienten erfahren häufig durch die Operation massive Einschränkungen, da oft große Teile des Kehlkopfs oder anderen Geweben entfernt werden müssen.

Warum haben Sie gegründet?
Wir sind eine Ausgründung aus dem Brain-Biotech-Inkubator, unserem Mutterschiff im Bereich industrieller Biotechnologie aus Zwingenberg. Als Nebenprodukt einer anderen Technologie haben wir unseren programmierbaren molekularen Schredder entwickelt. Wir, das Team der Akribion Genomics, sind überzeugt, dass wir mit dieser Technologie Großes bewirken können, und haben uns entschieden, uns auf dieses Wagnis einzulassen.

Wer hat in Sie investiert/wer nicht?
Aktuell befinden wir uns in einer Finanzierungsrunde und sind offen für Gespräche mit interessierten Investoren. Wir sehen das stärkste Interesse bei spezialisierten Frühphasen-Investoren, die uns bei den Herausforderungen in der Therapieentwicklung unterstützen wollen.

Was war die größte Hürde?
Die Auswahl des richtigen Fokus, da unsere Technologie sehr viele Anwendungsmöglichkeiten bietet. Nicht nur in der Onkologie, sondern auch für diagnostische Tests (etwa zur schnellen Diagnose von Viruserkrankungen) oder ganz allgemein in den Lebenswissenschaften kann unsere Methode eingesetzt werden. Mit unserem kleinen Team können wir aber nicht alle Themen parallel bearbeiten und haben uns daher entschlossen, unsere Energie auf die Entwicklung neuer Krebstherapien zu fokussieren.

Wo brennt es im Betrieb?
Die größte Herausforderung ist das Balancieren von verschiedenen Entwicklungsprioritäten. Es gibt unterschiedliche Themen, für die wir schnellstmöglich Daten generieren müssen, und viele dieser Studien benötigen einiges an Zeit. So ist die Planung und Umsetzung von Tierversuchen ein weiterhin notwendiger Schritt für therapeutische Zulassungen. Und die Definition der genauen Ziele von Studien bedingt viel Abstimmungsaufwand. Aber auch geltende Regularien sind für uns sehr wichtig, da wir eine komplett neue Klasse an Wirkstoffen zulassen möchten und daher eine frühzeitige Abstimmung des regulatorischen Pfades sehr wichtig ist.

Was ist der große Traum?
Die große Vision ist unsere Technologie zu einer Plattform zu entwickeln, mit der viele verschiedene Krebsarten bekämpft werden können, indem unser molekularer Schredder flexibel umprogrammiert wird. Wenn wir hier weit in die Zukunft denken, kann sich unsere Plattform zu einem kostengünstigeren und effizienten Tool der personalisierten Krebsbehandlung entwickeln. Hierfür würde man bei Patienten einen spezifischen Tumor aus dem Körper entnehmen, den spezifischen genetischen Tumorcode analysieren und dann präzise nur diese Tumorzellen abtöten.

Viele Teams forschen an innovativen Krebstherapien. Haben Sie sich Ihre Methode schon schützen lassen?
Weltweit gibt es eine Vielzahl an Patenten, sowohl für Therapien als auch für Grundlagentechnologien. Wir haben ein breites internationales Patentportfolio angemeldet und haben uns im September über eine Erteilung unserer Hauptpatentes in Europa freuen dürfen. In den kommenden Monaten und Jahren erwarten wir weitere internationale Erteilungen für unser Hauptpatent.

Das sagt die Jury:
Der Nobelpreis für Medizin wurde dieses Jahr für die Herstellung von mRNA-Impfstoffen vergeben. Die gleiche Molekülklasse möchte Akribion Genomics nutzen, um gezielt Krebszellen zu zerstören. Ihre Technologie könnte sich zu einer zukünftig erfolgversprechenden Therapieform von verschiedenen Krebsarten entwickeln.

Hier geht’s zum Interview in der Frankfurter Rundschau.

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