Problemkind Vertriebskonzept: Wichtige Tipps von Science4Life-Experte Christian Rees

30. Oktober 2020

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Viele Start-ups scheitern nicht an ihrer Geschäftsidee, sondern am Vertrieb – sagt Christian Rees. Er ist Experte für Performancesteigerung und Coach beim Science4Life Businessplan-Wettbewerb. Im Interview erklärt er, warum Entscheidungen eine besonders große Stolperfalle für Start-ups sind und was einen guten Leader auszeichnet.

Herr Rees, was sind Ihre Aufgaben als Science4Life-Experte?

Ich bin als Gutachter beim Science4Life Businessplan-Wettbewerb tätig und bewerte Geschäftskonzepte, -ideen oder Businesspläne der Gründerteams. Außerdem berate ich die Start-ups in persönlichen Coachings. Oft sieht diese Beratung auf den ersten Blick anders aus, als es sich junge Unternehmer vielleicht vorab vorstellen, denn wir setzen dabei einen starken Fokus auf den Vertrieb. Das hat seinen Grund: Die drei Hauptgründe für das Scheitern von Start-ups sind fehlende Vertriebskonzepte, mangelnde Finanzierung der Vertriebskonzepte und Auseinandersetzungen innerhalb des Gründerteams.

Wenn Sie ein Gründerteam unterstützen, wie gehen Sie dann genau vor?

Mir geht es vor allem darum, zu vermitteln, dass hinter der ganzen Arbeit eine Vision steht. Man kann auch Geld verdienen ohne eine Vision zu haben, aber dann mangelt es vermutlich auch an Spaß und Motivation. Das Problem ist, dass wir als Menschen Pläne und eine gewisse Sicherheit lieben und gar nicht merken, wie wir in eine Routine rutschen, die uns bremst. Viele Gründer sind verwundert, weil sie denken sie bekommen in unserem Coaching ein Rezept zum erfolgreichen Gründen. Eine solche Geheimformel gibt es aber eben nicht – man muss sich sein Konzept ein Stück weit selbst erarbeiten. Wenn wir Start-ups coachen, unterstützen wir genau dabei: Wir besprechen konkrete Probleme der Start-ups und finden gemeinsam Lösungsansätze. Ein großes Thema ist fast immer der Vertrieb. Viele Unternehmen kommen aus der Wissenschaft und sind eher unerfahren im Bereich Vertrieb und Marketing. Meist wird die Bedeutung dieser beiden Aspekte und auch die zum Teil jahrelange Vorlaufzeit völlig unterschätzt. Das nötige Wissen zu vermitteln dauert zwei Tage, aber die Umsetzung – das ist die Herausforderung. Es braucht Training, Bewusstsein und Disziplin und ab und zu – und das ist dann mein Job – einen zielgerichteten Hinweis von außen.

Sie sind unter anderem Experte für Leadership. Was macht für Sie einen guten Leader aus?

Leadership bedeutet im Endeffekt, dass man gemeinsam Ziele erreicht und mit seinem Team Spaß und Freude an dem Prozess hinter dem Gründen hat – zwar nicht immer, aber im Kern schon. Denn manchmal muss man Aufgaben angehen, die nicht unbedingt im eigenen Spezialgebiet liegen. Ich zum Beispiel muss mich auch mal um die Buchführung kümmern. Als Unternehmer macht mir das nicht immer Spaß, aber es gehört zu dem Ziel Unternehmer zu sein. Ein guter Leader zeichnet sich letztendlich dadurch aus, dass er das Unternehmen am Laufen hält, Klarheit über die Ziele schafft und auf die einzelnen Menschen eingeht.

Woran scheitern denn Ihrer Meinung nach die meisten Unternehmen?

Wenn es ums Scheitern geht, gibt es zwei zentrale Punkte. Zum einen werden Entscheidungen oft hinausgezögert und zum anderen werden falsche Entscheidungen nicht revidiert. Auch auf der Performance Seite kann es zu Schwierigkeiten kommen, denn hier ist vor allem der Mensch ein wichtiger Schlüsselfaktor. Viele Menschen wissen allerdings nicht, wie sie selbst und andere Menschen funktionieren. Daraus entstehen Fehlkommunikationen, Reibungsverluste und Unklarheiten, was wiederum zu einer mittelmäßigen Performance führt.

Welche Tipps haben Sie speziell für Start-ups?

Rechtzeitig mit dem Vertrieb anfangen! Wenn Sie mich fragen, was ich als Unternehmer falsch gemacht habe und auch immer noch nicht ausreichend mache, ist es der Vertrieb. Deshalb mein Tipp: Ein Vertriebskonzept erstellen und im Zweifel auch Knowhow einkaufen. Viele denken sie könnten verkaufen, aber das ist gar nicht so einfach. Auf der anderen Seite ist es sicherlich wichtig Dinge einfach mal auszuprobieren, schnell zu sein und wenn es nicht funktioniert die Entscheidungen zu revidieren ganz nach dem Motto: Trial and Error. Einen groben Plan zu machen ist sicher nützlich, aber dann heißt es auch Ausprobieren. Die Optimierungsschleifen kann man dann anschließend drehen.

Über Christian Rees:

Christian Rees studierte in Hamburg und war jahrelang als CEO und CFO in Handels- und Dienstleistungsfirmen tätig. Als Coach legt er die Schwerpunkte seiner Arbeit auf das Leadership und in die Entwicklung von Teams. Heute ist Christian Rees Geschäftsführer der Menovia GmbH und Managing Partner der Christian Rees & associates. Seit 2012 ist er Mitglied des Science4Life Experten-Netzwerks und unterstützt als Gutachter und Coach beim Science4Life Businessplan-Wettbewerb.

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