Schnelltest, Medikamente, Impfstoff – Science4Life Start-ups gegen Corona

17. Juni 2020

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Alumni

Das Coronavirus hält die Welt in Atem. Weltweit gibt es mehr als 6,7 Millionen bestätigte Infektionen und wirtschaftliche Folgeschäden, die die Finanzkrise im Jahr 2009 übersteigen sollen – eine erschreckende Bilanz. Viele ehemalige Teilnehmer des Science4Life Businessplan-Wettbewerbs beteiligen sich aktiv am Kampf gegen das Virus. Selten hat sich praxisnaher gezeigt, welche gesellschaftliche Relevanz und Innovationskraft unsere Alumni mit sich bringen.

Medikamente gegen Corona: Sicher und gut verträglich – aber wirksam?

Solange kein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist, sind wirksame Medikamente notwendig. Vor allem für die stark anfälligen Risikogruppen ist es wichtig, Behandlungsmethoden zu erforschen, um die Zahl der Todesfälle und Folgeschäden möglichst gering zu halten.

Unser Alumni Atriva Therapeutics GmbH gewann die Konzeptphase des Venture Cup 2016 mit seiner Lösung einer Therapie gegen bekannte und neue Virusstämme. Heute nutzt das Team hinter Atriva seine Erfahrungen. Das Unternehmen entwickelt eine klinische Strategie zur Behandlung von Patienten mit mittelschweren bis schweren COVID-19 Erkrankungen. Ihr Arzneimittelkandidat ATR-002 wurde speziell zur Behandlung von RNA-Viruserkrankungen wie Grippe und Coronaviren entwickelt und blockiert die Virusvermehrung. Nach mehreren erfolgreichen präklinischen Studien ist für Juli 2020 eine multinationale klinische Phase II Studie geplant. Ziel ist der Nachweis der Wirksamkeit.

Das Team der Apeiron Biologics AG entwickelt eigentlich Krebs-Immuntherapien und hat bereits ein zugelassenes Produkt auf dem Markt. Seit Beginn der Krise arbeitet das Unternehmen aber auch sehr erfolgreich an einem Medikament zur Behandlung schwerer COVID-19-Fälle. Ihr Arzneimittelkandidat APN01 blockiert die Infektion von Zellen und reduziert Lungenschäden. Nachdem sich APN01 schon in mehreren klinischen Phase I und Phase II Studien als sicher und gut verträglich erwiesen hatte, läuft aktuell eine Studie zur Wirksamkeit. Zunächst in Österreich, Deutschland und Dänemark gestartet, wurde sie bereits um Großbritannien erweitert und soll zeitnah auch nach Russland und in die USA ausgeweitet werden. Insgesamt werden dabei 200 schwer erkrankte Patienten behandelt; die Studie ist Placebo-kontrolliert.

Corona-Schnelltest: Ergebnisse in weniger als einer Stunde

Aktuell sind neben dem Distanzgebot, der Maskenpflicht und einigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens vor allem die sogenannten PCR-Tests ein Mittel, um das Virus und dessen Ausbreitung zu kontrollieren. Mit diesen PCR-Tests wird das Virus im menschlichen Körper nachgewiesen. Dazu wird ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum des Verdachtsfalls entnommen. Eines der Probleme: Proben müssen aktuell an ausgewählte Institute zur Analyse gesendet werden. Der logistische Aufwand treibt die Kosten in die Höhe und es dauert im Schnitt 24 – 48 Stunden, bis ein Ergebnis vorliegt. Science4Life Alumni Spindiag möchte diesen Prozess beschleunigen und verbessern. Das Team entwickelt einen PCR-Test, der Ergebnisse in 30 – 40 Minuten direkt am Point of Care liefert. Ihre Diagnostik Plattform „Rhonda“ ist eine Art Mini-Labor, das dezentral direkt am Ort der Probenentnahme einsetzbar ist. Ihr zweistufiges Verfahren entwickelt außerdem den Laborstandard Polymerase-Kettenreaktion (PCR) weiter und ist deutlich günstiger als aktuelle Lösungen. Aktuell befindet sich das System in der analytischen Prüfung. Bereits für das dritte Quartal 2020 rechnet das Team aber mit der Marktzulassung in Deutschland.

Erste Erfolge bei der Suche nach einem Impfstoff

Solange kein Impfstoff entwickelt ist, gilt es mit dem Virus zu leben. Deshalb herrscht aktuell ein weltweites Streben nach der Entwicklung eines wirksamen und verträglichen Impfstoffes. Hierbei rückte Science4Life Alumni CureVac bereits in den Fokus der Medien. Das biopharmazeutische Unternehmen ist einer der vielversprechendsten Kandidaten, wenn es um die Entwicklung eines Impfschutzes gegen das Coronavirus geht. Zuletzt hätte US-Präsident Donald Trump laut Medienberichten versucht, sich die Exklusivrechte am Impfstoff für die USA zu sichern. Eine Bemühung, die ins Leere lief. Seitdem forscht das Tübinger Unternehmen weiter am Impfstoffkandidat und konnte in den bisherigen präklinischen Untersuchungen bereits positive Ergebnisse bei niedriger Dosierung erzielen. Wann der Impfstoff für die breite Masse verfügbar ist, hängt nun vom Verlauf weiterer klinischer Studien sowie der Entscheidung der Zulassungsbehörden ab.

Auch Prime Vector Technologies, Gewinner der diesjährigen Konzeptphase des Science4Life Venture Cup beteiligt sich an der Forschung nach einem Impfstoff. Ihr Prinzip: Impfstoffe nach dem Baukastensystem. Hierbei kann ein viraler Vektor mit Antigenen und immunstimulierenden Elementen ausgestattet werden, um den idealen Impfstoff zu finden, der exakt auf die Bedürfnisse der Erkrankung ausgerichtet ist. Damit das Start-up sich an der Forschung zu Impfstoffen gegen das Coronavirus beteiligen kann, bekam es zuletzt eine Förderung in Höhe von 1,3 Millionen vom Bundeswirtschaftsministerium.

Lieferengpässe bei Medikamenten vermeiden

Darüber hinaus fordert das Virus weitere Anpassungsstrategien. Sind Medikamente und Impfstoffe auf dem Markt zugelassen, könnten vor allem Lieferengpässe zum Problem werden. Hier setzt Science4Life Alumni QYOBO an. Ihre Marktplattform macht den globalen B2B Markt für Chemikalien und pharmazeutische Wirkstoffe transparenter und effizienter. Eigens entwickelte Algorithmen führen weltweit verstreute Informationen in verschiedenen Sprachen und Formaten vollautomatisiert zusammen. Eine Lösung, die in der Businessplanphase des Science4Life Venture Cup 2019 zu den Siegern zählte. Auch in der Krise hat das Start-up das potenzielle Problem von Lieferengpässen schon frühzeitig erkannt und einen weltweiten Überblick über zugelassene Hersteller veröffentlicht.

Wir sind stolz zu sehen, wie viele unserer Alumni sich an verschiedenen Fronten am Kampf gegen das Virus beteiligen. Jedes dieser Unternehmen nahm als Start-up am Science4Life Businessplan-Wettbewerb teil und trägt heute große Verantwortung. Derartige Erfolgsgeschichten zeigen, was aus einer kleinen Geschäftsidee werden kann. Junge Gründer aus den Bereichen Life Sciences, Chemie und Energie sind schon jetzt eingeladen, sich in der kommenden Wettbewerbsrunde am Science4Life Businessplan-Wettbewerb zu beteiligen.

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