Interview mit Dr. Jens Atzrodt von Sanofi

10. Januar 2022

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Experten

Herr Dr. Atzrodt, was machen Sie beruflich stellen Sie sich bitte kurz vor!

Ich bin promovierter Chemiker und seit fast 22 Jahren bei Sanofi und dessen Vorgängerunternehmen tätig. Den überwiegenden Teil meiner beruflichen Laufbahn im Unternehmen habe ich als Wissenschaftler in den Bereichen wie Chemische Entwicklung, Arzneimittelmetabolismus und Pharmakokinetik sowie Medizinische Chemie gearbeitet und für 10 Jahre die Abteilung Isotope Chemistry & Metabolite Synthesis geleitet. Wir haben isotopenmarkierte Wirkstoffkandidaten für die präklinische Forschung hergestellt sowie markierte Substanzen für die Positronen-Emissions-Tomographie und weitere biologische und chemische Komponenten, um spezifischen Forschungsfragen nachzugehen. Eine superspannende Zeit, in der wir auch sehr intensiv mit akademischen Partnern zusammengearbeitet haben, um neue Methoden zur Isotopeneinführung zu erforschen und zu publizieren. Seit 2017 bin ich in meiner jetzigen Position als Operations Director für R&D Germany tätig. Ebenfalls eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der ich dabei helfe, die globale Forschungs- & Entwicklungs- Strategie von Sanofi lokal umzusetzen. Neben diversen Transformations-projekten koordiniere ich beispielsweise auch einige der externen Engagements von Sanofi R&D in Deutschland und deshalb passt Science4Life auch sehr gut zu meinem Tätigkeitsspektrum.

 Wie war Ihr Start bei Science4Life?

Ich lerne immer noch jeden Tag dazu, aber es macht mir riesigen Spaß. Das liegt nicht nur an einer spannenden Aufgabe, sondern auch an einem tollen Team und vielen engagierten Menschen, die Science4Life mit viel Hingabe und Leidenschaft gestalten und weiterentwickeln. Das spürt man sofort und das erleichtert den Einstieg enorm; auch wenn der Start Corona-bedingt leider alles andere als normal verlief. Häufig waren Treffen und ein erstes Kennenlernen nur virtuell möglich. Das betraf auch die Ideenprämierung im November, bei der ich zum ersten Mal das Vergnügen hatte zusammen mit Rainer Waldschmidt, meinem geschäftsführenden Vorstandskollegen die Gewinnerinnen und Gewinner auszeichnen zu dürfen. Das Team hatte ganze Arbeit geleistet und mit viel Engagement und Kreativität ein hervorragendes digitales Konzept für die Prämierungsveranstaltung und für begleitende online Webinare und Coachings entwickelt. Das fand ich sehr spannend und ich möchte allen Beteiligten an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für die ausgezeichnete Organisation danken. Dennoch hoffe ich, dass wir die Prämierung in der Konzeptphase oder zumindest für die Businessplan Gewinner wieder als Präsenzveranstaltung machen können. Ich freue mich auf die Atmosphäre einer Life-Prämierung, auf die Freude und die unmittelbaren Reaktionen der Gewinnerinnen und Gewinner und auf die Gespräche am Rande der Veranstaltung. Ich denke insbesondere bei der Vermittlung von Emotionen stößt auch die beste Remote-Technologie an ihre Grenzen.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich das Thema Gründungsförderung?

Sehr wichtig. Es ist eine wichtige Investition in die Zukunft unseres Landes. Die Gründerinnen und Gründer von heute können dabei helfen heutige und zukünftige Herausforderungen zu lösen. Ein gutes Beispiel dafür ist BioNTech. 2008 gegründet, gehören sie heute bereits zu den wichtigsten Akteuren in der Pandemiebekämpfung weltweit. Das sichert Knowhow und Arbeitsplätze für den Wissenschaftsstandort Deutschland.

Darüber hinaus mag ich den Spirit und die Motivation mit denen die Start-up Unternehmen ihre Projekte vorantreiben, ich finde es spannend mich mit kreativen neuen Konzepten zu beschäftigen und ich gebe meine Erfahrungen gern an junge Menschen weiter. Aus der Sanofi Perspektive ist Science4Life natürlich auch eine sehr gute Gelegenheit frühzeitig mit den Gründerinnen und Gründern in Kontakt zu treten und innovative neue Ideen kennenzulernen. Dadurch haben sich in den letzten Jahren einige konkrete Kooperationen ergeben bei denen Sanofi mit ehemaligen Science4Life Teilnehmern kooperiert.

 Was muss sich Ihrer Meinung nach verändern, um Start-ups aus Life Sciences, Chemie und Energie im internationalen Vergleich noch besser zu fördern?

Science4Life hilft den Start-ups in der unmittelbaren Gründungsphase um Ideen, Konzepte und Businesspläne zu optimieren, Geschäftsgrundlagen zu schaffen und Wissen zu vermitteln. Ich denke besonders wertvoll sind dabei das Netzwerk, die Coachingangebote und die 360° Feedbacks, die den Gründern aus ganz unterschiedlichen Perspektiven wertvolle Anregungen geben. Etwas schwieriger wird es später in den weiteren Finanzierungsrunden die notwendigen Mittel zu beschaffen. Wenn man bedenkt, dass die Entwicklung eines neuen Medikaments meistens deutlich >1 Mrd. Euro kostet, dann werden die gewaltigen Dimensionen deutlich. Hier sind uns Länder wie z.B. die USA deutlich voraus. Dort ist es viel einfacher an Risikokapital zu kommen, was eben auch dazu führt das Unternehmen abwandern müssen. Darüber hinaus gibt es in den USA in Bezug auf Gründungen eine andere Fehlerkultur. Nicht jede Idee und nicht jedes Start-up werden erfolgreich sein, aber aus Fehlern lernt man und so werden auch gescheiterte Firmengründungen dort vielmehr als hier als wertvolle Erfahrung gewertet.

Wenn Sie jetzt ein Start-up gründen würden: In welchem Bereich wäre das?

Meine Expertisen liegen eher in der Pharmaforschung, aber ich glaube die Bedingungen für Neugründungen sind heute auch in anderen Bereichen so gut wie vielleicht noch nie zuvor. Wir stehen enormen Herausforderungen durch die Klimakrise gegenüber, wir müssen die Energiewende und die Dekarbonisierung der Wirtschaft meistern und wir erleben eine Digitalisierungswelle, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche betrifft.    Das bedeutet, Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung werden zentrale Bestandteile der Firmenstrategie aller erfolgreichen Unternehmen, Prozesse und Aktivitäten müssen dahingehend überdacht und neugestaltet werden. Dafür brauchen wir neue Technologien, neue Geschäftskonzepte und innovative Problemlösungen. Für agile Start-up Unternehmen bieten sich dabei sehr gute Chancen an dieser Entwicklung zu partizipieren und zur Wertschöpfung beizutragen. Das betrifft natürlich auch den Gesundheitssektor. Viele Medikamente insbesondere im Primary Care Bereich werden heute bereits durch Apps, diagnostische Tools oder digitale Devices ergänzt, um dadurch bessere Behandlungsergebnisse für die Patienten zu ermöglichen. Die Arzneimittelforschung wird durch KI-basierte Forschungsansätze und Studiendesigns effizienter, neue Targets werden durch KI unterstütze molekularbiologische Methoden sogenannte Omics Data Science Lösungen identifiziert und völlig neuartige Modalitäten erlauben eine zunehmend personalisierte patientenzentrische Behandlung von Erkrankungen. In all diesen Bereichen arbeiten etablierte Pharmaunternehmen zunehmend sehr erfolgreich mit Start-ups und Biotechs zusammen.

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