„Analysiert sehr genau den Kundenbedarf“ – Interview mit Christof Bock

25. Februar 2019

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Im Interview erzählt uns Christof Bock, Head of Innovation Management bei Viessmann, wie die Start-up-Förderung aussieht und welche Geschäftsmodelle für die Energiewirtschaft in naher Zukunft besonders spannend sind.

Herr Bock, bei Viessmann steht die digitale Transformation unter dem Motto „Next Generation Family Business“ – was steckt dahinter?

Viessmann blickt auf inzwischen 102 Jahre Firmengeschichte zurück. Max Viessmann ist seit Anfang 2018 Co-CEO des Unternehmens und hat damit – als Digital Native – in vierter Generation die Leitung wesentlicher Geschäftsfelder im Familienunternehmen übernommen. Beim „Next Generation Family Business“ geht es aber nicht nur um den Generationswechsel von Prof. Dr. Martin Viessmann zu Max Viessmann – vielmehr steht hinter dem Begriff die Transformation von allen Bereichen des Unternehmens. Das heißt, nicht nur unsere Produkte aus Kundensicht neu und digital(er) zu denken, sondern auch zu hinterfragen, wie wir als Organisation zukünftig bestmöglich zusammenarbeiten. Wir wollen heute und in den nächsten 100+ Jahren als erfolgreiches Unternehmen Lebensräume für zukünftige Generationen gestalten.

Wie ist das Innovation Management bei Viessmann aufgebaut?

Innovation Management ist dem Bereich des Chief Digital Officers zugeordnet und arbeitet cross-funktional mit allen Bereichen der Organisation zusammen. Wir identifizieren strategisch relevante Technologie- und Markttrends und analysieren sie im Kontext unserer Unternehmensstrategie. Wir entwickeln Hypothesen zu Use Cases und Benefits. Die Themen mit der für uns höchsten Priorität lösen wir dann z.B. in Innovation Challenges oder mithilfe von Acceleratoren, Universitätskooperationen oder Start-up-Projekten.

In welchen Bereichen hat die Energiebranche derzeit den größten Bedarf an neuen Technologien?

In so ziemlich allen. Auf EU-Ebene rollt gerade ein großer Schwall an neuer Regulatorik auf die Energiebranche zu. Die Energiewende kommt nur schleppend voran und braucht großflächig und kurzfristig umsetzbare Lösungen, insbesondere im Umfeld der Gebäudesanierung und der Sektorkopplung. Während Connected Devices im Consumer-Bereich mittlerweile Standard sind, stockt der breitere Einzug von konnektivierten Geräten auf PropTech-Ebene durch häufig fehlender Infrastruktur – wie beispielsweise einem Internetzugang in Kellerräumen.

Wie muss sich Ihrer Meinung nach die Energiewirtschaft verändern und was sind zukunftsweisende Geschäftsmodelle, die die Energiewende voranbringen können?

Die Anforderungen, die Trends wie Klimawandel, Urbanisierung, Fachkräftemangel oder Shy Tech an die Energiewirtschaft stellen, können nur gemeinsam gelöst werden. Der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset hat vollkommen Recht, wenn er sagt: Die größte Gefahr unserer Gesellschaft ist, dass alle darauf warten, dass jemand anderes unsere Probleme schon lösen wird. Das wird, insbesondere bei so großen, cross-nationalen Themen wie dem Klimawandel nicht passieren. Wir alle können und müssen den Wandel mitgestalten, sonst schaffen wir ihn nicht. Nur wenn wir weniger in inkrementellen Verbesserungen, sondern in viel größeren, disruptiven Lösungen denken, sie ausprobieren und umsetzen, können wir vorankommen. Im aktuellen und zukünftigen Marktumfeld steckt also noch viel Potential für Unternehmen und Gründer, auch Grundsätzliches nochmal groß neu zu denken.

Auf welche Herausforderungen sollten sich Energie-Start-ups einstellen?

Start-ups im Energiemarkt bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Regulatorik, neuen Technologielösungen und vielen, zum Teil etablierten Unternehmen, die auch einzelne Teile der Wertschöpfungskette dominieren können. Damit kann der Marktzugang oder die Skalierung des Business-Modells deutlich schwerer werden als in anderen Märkten. Dazu kommt, dass alleine in Europa Märkte auf Länderebene sehr unterschiedlich funktionieren und sich in ihrer Energieinfrastruktur zum Teil deutlich unterscheiden.

Welche Tipps können Sie Start-ups mit auf den Weg geben?

Um seinen Platz in diesem Umfeld zu finden ist es wichtig, seine Lösung und vor allem das Zielkundenprofil klar zu definieren. Analysiert sehr genau den Kundenbedarf und habt ein klares Bild vom tatsächlichen Kundennutzen. Wir sehen viel zu oft, insbesondere im technischen Bereich, das Phänomen “Lösung sucht Problem”. Sucht euch schnell relevante Partner, die Euch bei der Umsetzung des Geschäftsmodells helfen und Euch den notwendigen Marktzugang schaffen können. Wie wir als Viessmann Euch dabei unterstützen können, erfahrt Ihr im Innovation Boiler: https://innovationboiler.com.

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