16.04.2019

Besonderheit bei der Entwicklung von Medizinprodukten – Science4Life Expertentalk

Der Weg eines Medizinprodukts von der grundlegenden Idee bis hin zum klinischen Gebrauch ist aufgrund vieler Regulationen sehr speziell. Was Gründer aus dem medizinischen Bereich bei diesem Prozess beachten sollten und welche Qualitäten ein gutes Medizinprodukt eigentlich erfüllen muss, besprechen wir mit der Gründerin und Geschäftsführerin der Expertants GmbH, Dr. Özlem Weiss.

 

Frau Dr. Weiss, können Sie den Weg eines Medizinprodukts von der Idee bis hin zur Marktzulassung vereinfacht beschreiben?

Der Weg von der Idee bis zur tatsächlichen Anwendung eines Medizinproduktes am Patienten lässt sich in fünf Phasen unterteilen: Von der Idee geht es in die Entwicklung & Marktzulassung, danach kommt die Markteinführung, gefolgt von kontinuierlicher Marktbeobachtung und regelmäßiger Auditierung durch die sogenannten benannten Stellen. Medizinprodukte durchlaufen vor einer Markteinführung Bewertungen, Prüfungen und Tests hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit. Begleitet wird dies mit umfangreichen Vorgaben zur Nachverfolgbarkeit und der damit verbundenen Dokumentation. Wir empfehlen deshalb beim Produktentwicklungsprozess der eigentlichen Produktentwicklungsphase eine Forschungs- oder Ideenphase vorzuschalten und erst, wenn es um die sehr konkret spezifizierte Entwicklung eines Medizinprodukts geht, den Produktentwicklungsprozess mit vollumfänglichen Regularien zu durchlaufen.

Welche Hürden können währenddessen auf einen Gründer zukommen?

Es kann passieren, dass ein Produkt von Anfang an nicht die regulatorischen Standardanforderungen erfüllt. Wenn dies erst bei den technischen Prüfungen am Prototypen festgestellt wird, muss man sein komplettes Produkt überarbeiten und erneut prüfen. Als Beispiel: Man verwendet in einem medizintechnischen Gerät eine Komponente aus einem Material, welches bestimmte Normen nicht erfüllt oder der Hersteller schließt die Verwendung in einem Medizinprodukt ausdrücklich aus. Dies führt zu einem hohen zeitlichen, als auch finanziellen Mehraufwand, da man entweder Entwicklungsschleifen mehrfach fahren muss oder sich der Aufwand in der klinischen Phase vervielfacht. Wenn sich Gründer nicht zeitig um Verfügbarkeiten und Abstimmungsschleifen kümmern, können unnötige Verzögerungen auftreten und das kostet nicht nur Geld, sondern auch Nerven.

Wo liegen bei der Entwicklung von Medizinprodukten die großen Unterschiede im Vergleich zu anderen Branchen?

Technische Sicherheit und klinische Wirksamkeit! Das muss jeder Medizinprodukteentwickler nachweisen. Und im Gegensatz zu anderen Branchen oder zur Entwicklung von Arzneimitteln gibt es folgenden Dreiklang: Patienten, Anwender und Dritte. Sie alle müssen im Hinblick einer sicheren Anwendung berücksichtigt werden. Während und auch nach der Entwicklung muss man dies durch ein striktes Risikomanagement immer wieder bewerten und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen einleiten. Gründer, die ein Medizinprodukt auf den Markt bringen wollen, sollten sich außerdem vorher klar machen, in welche Märkte sie damit gehen wollen, ob sie das Produkt komplett selber entwickeln und produzieren wollen oder einzelne Schritte auslagern werden. Damit legt man wichtige Weichen bezüglich dem Umfang des Verfahrens vor der Markteinführung. Für die EU gilt dann stark vereinfacht: passendes Qualitätsmanagementsystem etablieren, Audit bestehen, ISO-13485-Zertifikat erlangen, die Erfüllung der sogenannten grundlegenden Anforderungen dokumentieren, technische Dokumentation aufbauen und zu guter Letzt der benannten Stelle zur Prüfung vorlegen. Erst wenn diese grünes Licht gibt, hat man Grund zum Feiern. Man darf sein Produkt mit einem CE-Kennzeichen versehen und eine CE-Konformitätserklärung ausstellen. All diese Arbeitsschritte kann und sollte man als junges Unternehmen outsourcen, um Zeit zu sparen und Risiken zu minimieren.

Welche Qualitäten muss ein neu erfundenes Medizinprodukt haben, damit in Erwägung gezogen wird, es zu finanzieren und schließlich auch im medizinischen Alltagsgebrauch zu verwenden? 

Die Qualität definiert sich aus den zuvor beschriebenen Anforderungen aus Sicherheit und noch mehr aus der Wirksamkeit: Der therapeutische Nutzen muss klar vorhanden sein. Das neue Produkt muss eine Verbesserung gegenüber vorhandenen Lösungen darstellen. Zudem gilt für Medizinprodukte das gleiche wie für alle Innovationen: Es muss ein Bedarf im Markt vorhanden sein. Was die Finanzierung und vor allem eine womöglich Risikofinanzierung betrifft, spielen Skalierbarkeit und Entwicklungsdauer eine wichtige Rolle. Zusätzlich sollten sich Gründer bei der Entwicklung des Geschäftsmodells vorher Gedanken über den gesamten Produktlebenszyklus machen. Technische und wirtschaftliche Machbarkeitsanalysen unter Berücksichtigung auch der Patentlage sind hierbei die wichtigen Hausaufgaben.

Medizinprodukte müssen natürlich im Interesse der Patienten besonders fehlerunanfällig und zuverlässig sein. Wie spiegelt sich das in ihrer Entwicklung und beim Testen der Erfindungen wider? 

Zunächst wird mittels Prototypen immer erst die technische Sicherheit geprüft. Dazu gehört vor allem die Biokompatibilität und darüber hinaus alle weiteren Eigenschaften und Funktionen, die meist über Normen klar definiert sind. Wenn man Glück hat, gibt es bereits ein äquivalentes Produkt im Markt und man kann die Wirksamkeit von Produkten der Klassen I bis IIb mittels klinischer Bewertungen durchführen, ohne allumfängliche eigene Studien. Gibt es jedoch kein ähnliches Produkt oder handelt es sich um ein Produkt der Risikoklasse III sind eigene klinische Studien unumgänglich.

Was passiert, wenn ein Medizinprodukt eine der Prüfungen auf dem Weg zur Marktzulassung nicht besteht? Haben die Erfinder die Möglichkeit, ihr Produkt dahingehend zu verbessern und einen Test erneut durchzuführen?

Das Verfahren für Medizinprodukte in der EU ist keine behördliche Zulassung im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um eine Produktzertifizierung. Ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt ist sicher und wirksam. Ein technisches Medizingerät beispielsweise durchläuft davor z.B. elektrische Sicherheitstests. Solange diese Tests nicht bestanden werden, können und müssen sie wiederholt werden. Diese Schleifen sind erhebliche Kostentreiber und können durch sehr frühe Einbindung von erfahrenen QM- und Regulatory-Experten vermieden werden. Wichtiger Tipp für junge Unternehmen: Auf Pragmatiker setzen! Regularien kann man sehr umfangreich auslegen oder eben auch kurz und knackig erfüllen.

Wie geht es weiter, wenn das Medizinprodukt eine Marktzulassung bekommen hat?

Dann kommt erst die große Arbeit. Ein einmal in den Markt gebrachtes Medizinprodukt bedeutet Verpflichtungen über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren. Sobald das Produkt auf dem Markt zugelassen wurde, darf man sich nicht ausruhen. Ab jetzt erfolgen jährlichen Audits, teilweise unangekündigt. Außerdem heißt es: Informationen über das eigene und die äquivalenten Produkte auf dem Markt müssen kontinuierlich verfolgt werden. Egal ob Reklamationen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder gar sogenannte Vorkommnisse, man muss immer handeln. All diese Daten müssen immer wieder in Risikoanalysen einfließen und man muss Abwägen ob der Nutzen weiterhin deutlich überwiegt.

Gibt es bestimmte medizinische Anwendungsfelder und Bereiche, die neuartige und innovative Produkte dringend gebrauchen könnten?

Überall und an allen Stellen. Konkret ist gerade die Digitalisierung in aller Munde. Wobei ich diese nicht nur in Form einer App oder einer Software verstehe. Eher ist Digitalisierung oder besser gesagt Automatisierung überall da eine Hilfe, wo noch viele manuelle Schritte durchgeführt werden und diese zwangsläufig menschlichen Fehler unterliegen. Aber auch Arbeitsabläufe könnten erleichtert werden. Durch den Einsatz von Pflegerobotern in Altenheimen könnte Personal entlastet werden, das 3D-Drucken patientenspezifischer Implantate kann die Wiederholungsrate von chirurgischen Eingriffen senken.

Was raten Sie Gründern aus der Medizinbranche, die ihr Medizinprodukt auf den Markt bringen wollen? Wie können sie sich ihre Arbeit erleichtern und welche Fehler können sie vermeiden?

Ganz klar: Jedes Gründerteam sollte jemanden intern/extern aus dem Bereich Zulassung und Qualitätswesen an Bord haben, der von Anfang an Teil der Produktentwicklung ist. Außerdem: Die Abnehmer, also Kunden bei Medizinprodukten, sind nicht immer der Patient, sondern zunächst auch Krankenkassen oder Ärzte. Es ist also wichtig, sich früh genug über das Gesundheitswesen und dessen Kostenerstattungsstrukturen zu informieren. Handelt es sich auf dem Markt um eine Kassenleistung oder muss das Produkt privat finanziert werden? Diese Dinge sollten klar sein, bevor es überhaupt in die Entwicklung geht.

 

Über Dr. Özlem Weiss:

2018 gründete Dr. Özlem Weiss mit der Expertants GmbHein Start-up im Sektor der additiven Fertigung (3D-Druck), das andere Unternehmen bei der Gründung und Entwicklung von medizinischen Produkten unterstützt. Bevor sie sich 2009 erstmals mit der Gründung von IBD Consultingselbstständig machte, arbeitete Weiss bereits am Max-Planck-Institut für Kohleforschung und bei Heraeus Kulzer in führenden Positionen. Zudem teilt sie ihr Business-Wissen mit unseren Teilnehmern als Mitglied des Science4Life Experten-Netzwerk.

 

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Aus diesem Grund ist es sowohl für bestehende Unternehmen als auch für Start-ups relevant, sich mit der Unternehmenskultur auseinanderzusetzen und zu reflektieren, welche Haltungen und Verhaltensweisen im Unternehmen gelebt werden sollen und welche der aktuellen Marktsituation angemessen sind, um die Wettbewerbsfähigkeit positiv zu beeinflussen. Gerade bei Neugründungen gibt es viele Herausforderungen: Finanzierungen, Entwicklung von Prototypen, erste Marktreife – wo bleibt da die Zeit für eine Unternehmenskultur? Wann ist der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken? Ich denke, die Unternehmenskultur wird bereits zum Zeitpunkt der Gründung durch die Rahmenbedingungen der Märkte beeinflusst. Es macht daher durchaus Sinn, sich mit der aktuellen Situation innerhalb und außerhalb des Unternehmens auseinanderzusetzen. 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Ein gutes Change-Management berücksichtigt daher bei der Kommunikation mit den Mitarbeitenden die Gründe und Auslöser von Veränderungen. Schließlich sollte sich das gesamte Unternehmen als Team wahrnehmen und die gleichen Ziele verfolgen. Jeder von uns ist Teil eines solchen Teams und möchte, dass das Erreichen von Zielen auch gefeiert und wertgeschätzt wird. Wie analysiert man als Gründer bestehende Prozesse in seinem Start-up richtig? Gerade hier kommen ja oftmals die Themen „Betriebsblindheit“ und ein starker Fokus auf die Entwicklung der Geschäftsidee dazu. Es ist generell wichtig, Prozessanforderungen zu formulieren und mit Hilfe von KPIs zu überwachen und zu steuern. An dieser Stelle ist entscheidend, dass die KPIs die „wahren Bedürfnisse" der Prozessanforderungen erfüllen. Da spielt es vermutlich keine Rolle, ob es sich um ein Start-up oder um ein bestehendes Unternehmen handelt. Sofern relevante Geschäftsprozesse jedoch aufgrund der Unternehmensentwicklung (noch) nicht durch KPIs gesteuert werden, unterliegen Prozessprobleme vermutlich zumeist Gefühlen wie Unzufriedenheit oder Demotivation. Das Ergebnis kann sein, dass die Routine ständig durch Priorisierungen und „Firefighting“ geprägt ist. Hierbei ist es wichtig, das Gefühl erst einmal bewusst wahrzunehmen und anhand von Daten messbar zu machen. Fragen wie „Welcher Prozess läuft schlecht?" und „Was sind meine Anforderungen an den Prozess, damit ich zufrieden bin?" werden z. B. im Rahmen von Lean Sigma strukturiert erörtert. Hierbei handelt es sich um anerkannte Managementpraktiken, um Ziele klar zu formulieren, Probleme messbar zu machen, datenbasiert zu analysieren, zu verbessern und relevante KPIs zu entwickeln. Eine Belegschaft sollte daher auch mit Begriffen des Lean Managements wie z.B. "TIMWOOD" vertraut sein und für Prozessverbesserung sensibilisiert werden. Wie bereits erwähnt, wird die Voraussetzung hierfür durch die Geschäftsleitung und das obere Management geschaffen. Die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist aus meiner Sicht auch eine sehr wertschätzende Maßnahme, um Verbesserungen im Unternehmen anzustoßen und zu fördern. Betriebsblindheit tritt meiner Einschätzung nach zumeist in Organisationen auf, in denen mangelhaft kommuniziert, keine kontinuierliche Verbesserung praktiziert und die Fehlerkultur negativ beeinflusst wird. Um Oakland und Tanner zu zitieren: „Most people start work for an organisation with positive attitudes and behaviours and it is frequently the systems and environment that cause problems and deterioration“ (Successful Change Management, 2007). Wir sollten daher niemals vergessen, dass wir alle Menschen sind und Träume und Ziele verfolgen. Dies treibt uns an! Es liegt daher in unserer Natur, dass wir uns in Gruppen organisieren, um mithilfe kontinuierlicher Verbesserung unsere Ziele zu erreichen. Schließlich können wir dann gemeinsam Erfolge feiern. 

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Die Ideenphase von Science4Life

02.09.2024

Science4Life richtet jährlich den bundesweit größten und wichtigsten Businessplan-Wettbewerb für die Branchen Life Sciences, Chemie und Energie aus. Die Gründerinitiative verfolgt dabei eine konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gründungsinteressierten und Start-ups und berücksichtigt die spezifischen Herausforderungen in den verschiedenen Branchen. Der Science4Life Venture Cup richtet sich dabei an Gründende aus den Bereichen Life Sciences und Chemie, während der Science4Life Energy Cup ein maßgeschneidertes Programm für Energie-Teams bietet. Der Businessplan-Wettbewerb besteht aus drei Phasen: Ideenphase, Konzeptphase und Businessplanphase. Die neue Wettbewerbsrunde startet am 1. September 2024 und endet am 30. Juni 2025 mit der Prämierung der Gesamtsieger des Science4Life Venture Cup und des Science4Life Energy Cup. Der Einsendeschluss für Wettbewerbsbeiträge in der Ideenphase ist der 14. Oktober 2024. Heute erklären wir im Detail, wie die erste Phase des Wettbewerbs – die Ideenphase – abläuft. Der Grundstein: Die Ideenskizze Die Ideenphase ist die erste der drei Wettbewerbsphasen des Science4Life Venture Cup und des Science4Life Energy Cup. Ziel dieser ersten Phase ist es, die eigene Geschäftsidee auf ihre Umsetzbarkeit am Markt zu prüfen. Die Darstellung der Innovation sollte kurz und knapp auf maximal drei Seiten erfolgen. Zum Inhalt gehören Informationen über die Idee, den Innovationsgrad, die Entwicklungsschritte, das Team, das Netzwerk, den Markt, die Konkurrenz und den Schutz der Idee . Zur Orientierung kann die Mustervorlage für die Einreichung genutzt werden. Sie kann in englischer oder deutscher Sprache ausgefüllt werden. Um die fertige Ideenskizze einzureichen, müssen sich Gründerteams unter www.science4life.de registrieren. Eine frühzeitige Registrierung ist für alle Teilnehmer empfehlenswert, denn erst nach erfolgter Registrierung steht der Zugang zum Experten-Netzwerk und den vielfältigen Fortbildungs- und Informationsangeboten von Science4Life offen. Die fertige Ideenskizze muss im PDF-Format auf dem Science4Life Portal bis zum Einsendeschluss am 14. Oktober 2024 hochgeladen werden. Das Kernstück: Die Bewertung durch Experten Kern der Ideenphase ist die Bewertung der Ideenskizze durch ausgewiesene Branchenexperten. Die Bewertung und das dazugehörende Feedback der Experten ermöglicht es den Gründerteams, Marktchancen früh zu erkennen und das eigene Geschäftsmodell rechtzeitig anzupassen. Die Bewertung erfolgt ausschließlich durch Experten aus unserem weitverzweigten Netzwerk, das aus rund 200 Institutionen und Unternehmen besteht. Zu ihnen zählen Organisationen des öffentlichen Rechts, international agierende Konzerne, kleine und mittlere Unternehmen, Banken, Venture Capital Gesellschaften, Beratungs- und andere Dienstleistungsunternehmen, Anwälte, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie Universitäten, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen. Die Bewertung der Ideenskizzen erfolgt nach einem standardisierten Verfahren durch ein Punktesystem. Alle Bewertungen enthalten ein individuelles Feedback, aus wissenschaftlicher und kaufmännischer Sicht, für die einzelnen Bestandteile der Skizze. Entsprechend der erreichten Punktzahl werden die Gewinner der Ideenphase ermittelt. Die zehn besten Teams des Venture Cup und die fünf besten Teams des Energy Cup gewinnen die Teilnahme am digitalen Science4Life-Academy Day der Ideenphase. Zusätzlich werden die fünf besten Teams des Science4Life Venture Cup und die besten drei Teams des Science4Life Energy Cup mit einem Preisgeld von jeweils 500 € ausgezeichnet. Der Mehrwert: Die Science4Life Academy und das riesige Experten-Netzwerk Die Teilnehmer der Ideenphase erhalten Zugang zu einem etablierten Netzwerk aus Rechtsanwälten, Marketing-Profis, Business-Angels, Experten und anderen Start-ups. Gerade am Anfang eines Gründungsvorhabens ist ein solches Netzwerk von großem Wert. Darüber hinaus steht allen registrierten Teilnehmern im Rahmen der Science4Life-Academy ein umfassendes Informations- und Weiterbildungsangebot offen. Auf die Teilnehmer am digitalen Science4Life-Academy Day warten Seminare, Coachings und offene Diskussionsmöglichkeiten mit verschiedenen Branchenexperten. Im Austausch und gemeinsamen Dialog mit den anwesenden Experten wird die Idee aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und offene Fragen geklärt. Die Teilnehmer: Ideenträger mit Mut zur Selbstständigkeit Am Science4Life Venture Cup können alle Personen teilnehmen, die ein Unternehmen in den Bereichen Life Sciences oder Chemie gründen wollen. Für Gründerteams aus dem Bereich Energie steht die Teilnahme am Science4Life Energy Cup offen. Egal ob Student, Doktorand, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter – alle mit einer guten Idee sind zur Teilnahme eingeladen. Auch wer sein Unternehmen innerhalb der letzten 24 Monate vor Start der Ideenphase gegründet hat, kann mitmachen. Dabei sind sowohl Teams als auch Einzelpersonen willkommen. Die Teilnahme am Wettbewerb und allen damit verbundenen Veranstaltungen ist kostenfrei. Gründerteams können sich ab 1. September 2024 für die Teilnahme an der Ideenphase registrieren und beim Science4Life Venture Cup und Science4Life Energy Cup einsteigen. Es ist aber auch möglich, erst in der darauffolgenden Konzept- oder Businessplanphase teilzunehmen, da die Bewertung in einer Phase unabhängig von den Einreichungen in den anderen Phasen erfolgt. Wir freuen uns auf den Start der neuen Wettbewerbsrunde und erwarten voller Spannung die Einsendung vieler innovativer Geschäftsideen. Weitere Informationen zum Wettbewerb, der Einreichung, Teilnahme und allen rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es hier.

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Wirtschaftsförderer des Landes Hessen

30.08.2024

Die LEA LandesEnergieAgentur Hessen übernimmt im Aufrag der Hessischen Landesregierung zentrale Aufgaben bei der Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes. Die Angebote richten sich an hessische Bürger, gesellschafliche Organisationen, Kommunen und Unternehmen. Die LEA Hessen bietet Informationen, Erstberatungen und begleitende Unterstützung bei der Auswahl und Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz, zur Energieeffizienz, zur Energieeinsparung oder zum Ausbau erneuerbarer Energien im eigenen Umfeld. Die LEA unterstützt Energie-Start-ups auf dem Weg zum Businessplan mit einem einzigartigen Netzwerk aus Expertinnen und Experten sowie einem individuellen Coachingprogramm für Gründerinnen und Gründer, die am Science4Life Energy Cup teilnehmen. lea-hessen.de  Die HA Hessen Agentur GmbH ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes. Sie setzt Projekte, Kampagnen und Förderaktivitäten um, vermarktet Hessen als Tourismus- und Kongressdestination und fördert auch die Kultur- und Kreativbranche. Zudem fungiert die HA als Beraterin und Think Tank und koordiniert Innovations- und Nachhaltigkeitsprojekte. hessen-agentur.de Die HA Hessen Agentur GmbH ist Projekträgerin und Ansprechpartnerin für mehrere Förderprogramme des Landes. Ob Medizin, Biotech oder Energie, das Team der Innovationsförderung Hessen hat über 1.700 Vorhaben aus Wirtschaft und Wissenschaft betreut. Willkommen sind Unternehmen und Start-ups, Hochschulen und Kommunen von der ersten Projektidee bis zur erfolgreichen Umsetzung. innovationsfoerderung-hessen.de Als Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Landes Hessen sorgt die Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) dafür, dass das Land in den zukunfts- orientierten Wirtschafts- und Forschungsbereichen weltweit bestens positioniert und vernetzt ist. Das Technologieland Hessen unterstützt Unternehmen dabei, zukunfts- weisende Innovationen zu entwickeln. Umgesetzt wird das Technologieland Hessen von der HTAI im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums. htai.de technologieland-hessen.de Junge Start-ups brauchen meist nicht nur Kapital und Personal, sondern be- sonders zu Beginn auch Orientierung, Beratung und Zugang zu Förderungen. Der StartHub begleitet innovative und technologieorientierte Gründungen von der Entstehung bis zum Exit und vermittelt dabei in allen Bereichen Unter- stützung. Als erste Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer hilft der Start- Hub unter anderem bei der Vermittlung von Ansprechpartnern, führt eine Eingangsberatung durch und unterstützt die Bewerbung auf Förderprogramme. starthub-hessen.de [caption id="attachment_15718" align="alignright" width="250"] Laurent Guyard, Business-Coach für die LEA Hessen[/caption] „Jedes Jahr steigen die Anforderungen an hessische Energie-Start-ups. Daher freut mich, dass die LEA Hessen meine Expertise als Business-Coach zur Lösung dieser Herausforderungen unserer potenzialreichen Teams nutzt.“  Erfolgreiche Teams im Energy Cup Die LEA Hessen hat bereits einige erfolgreiche Gründerteams auf dem Weg zum Businessplan unterstützt mit einem individuellen Coaching-Programm, dem Hessen-Coaching, sowie einem hilfreichen Expertennetzwerk. Unter den Finalisten des Wettbewerbsjahres waren die beiden hessischen Start-ups ILLUTHERM und Hyposto Energy – Teilnehmende des Hessen-Coachings. Das Hessen-Coaching  Unsere Coaches helfen Gründerteams dabei, ihre Geschäftsidee zu formulieren, kalkulieren und letztendlich umzusetzen. In mehreren individuellen Terminen werden Fragen zu Marketing, Chancen-Risiken-Analysen, Patenten und Finanzierung besprochen. Das Hessen- Coaching baut auf dem Science4Life Energy Cup auf und gibt Hilfestellung bei der Entwicklung der einzureichenden Konzepte. Gecoacht wird in drei Phasen: Ideenphase, Konzeptphase und Businessplanphase, wobei der Einstieg in jeder Phase möglich ist. Teilnahmevoraussetzungen sind eine spannende Idee zur Energiewende, ein Geschäftssitz in Hessen sowie die Teilnahme am Science4Life Energy Cup. Kontakt Daniela Bickel Projektmanagerin Unternehmen & Start-ups LEA LandesEnergieAgentur Hessen GmbH E-Mail: daniela.bickel@lea-hessen.de  

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